Wenn die Form die Toleranz nicht hält, hilft kein Nachpolieren mehr – 3D-Scan-Strategien für Automobilformen

Die Herausforderung beginnt oft mit einem unscheinbaren Bauteil. Eine Türinnenverkleidung aus dem Serienwerkzeug weist plötzlich einen Abstand zum Dichtungsprof

Vom Objekt zur Einschätzung: Was Automobilformen so anspruchsvoll macht

Spritzgießformen für die Automobilindustrie vereinen fast alle messtechnischen Schwierigkeiten in einem einzigen Werkzeug. Die Abmessungen reichen von kompakten Schieberelementen bis zu zwei Meter langen Werkzeughälften für Stoßfänger oder Unterbodenverkleidungen.

Die Formnester sind oft tief gekammert, hinterschnitten und mit hauchdünnen Rippen versehen, die eine hochauflösende Geometrieerfassung erfordern.

Die Oberflächen sind häufig poliert, erodiert oder strukturiert – das erzeugt eine Mischung aus spiegelnden und diffus streuenden Bereichen, die für optische Scanner eine schwierige Materialantwort bedeutet.

INSVISION AlphaScan 3D-Scan-Demonstration

Validierungscheckliste für den Einsatz

Schwerpunkt Entscheidungspunkt Umsetzungshinweis
Bauteilbezug Größe, Oberfläche und Toleranzen mit der Scanaufgabe abgleichen Mit einem typischen Teil einen vollständigen Testlauf durchführen
Datenfluss Prüfen, ob Punktwolke, Abweichungskarte und Bericht in den QS-Prozess passen Exportformat und Freigabeverantwortung vorab klären
Einsatz vor Ort Schulung, Kalibrierung, Lichtverhältnisse und Arbeitsraum bewerten Die Ergebnisse als Standard für Serienprüfungen dokumentieren

Dazu kommen kleine, schwer zugängliche Partien in Entlüftungskanälen oder Kühlbohrungen, die für berührende Taster unerreichbar sind. Wer hier konventionell misst, erfasst meist nur Stichproben und übersieht die lokalen Verzüge, die sich nach dem Auswerfen des Formteils im Schwindungsverhalten zeigen.

Die Aufgabe lautet also nicht nur: „Form prüfen“, sondern: „die gesamte Oberfläche berührungslos, schnell und mit dokumentierbarer Genauigkeit erfassen, noch bevor das Werkzeug in die nächste Charge geht.

INSVISION AlphaScan 3D-Scan-Anwendung
INSVISION AlphaScan 3D-Scan-Anwendung

Kernpunkte im Überblick

  • Spritzgießformen für die Automobilindustrie vereinen fast alle messtechnischen Schwierigkeiten in einem einzigen Werkzeug.
  • Die Lösung liegt in einem mobilen 3D-Scanner, der direkt im Werkzeugbau oder am Spritzgießautomaten einsatzbereit ist.
  • Sobald das gescannte Netz vorliegt, wird es mit dem CAD-Datensatz des Werkzeugs oder des Formteils verglichen.
  • Die Messung einer einzelnen Form ist eine Demonstration;

Von der Einzelmessung zur flächigen Strategie: Wie die Scanroute das Ergebnis bestimmt

Die Lösung liegt in einem mobilen 3D-Scanner, der direkt im Werkzeugbau oder am Spritzgießautomaten einsatzbereit ist. Der AlphaScan von INSVISION ist für genau solche Umgebungen konzipiert. Mit seinen 30 bzw.

42 blauen Laserlinien – darunter 22 respektive 34 gekreuzte Linien für schnelle Flächenscans, eine Einzellinie für tiefe Einsenkungen und sieben Feinlinien für hochpräzise Details – kann die Scanstrategie auf das jeweilige Formelement abgestimmt werden.

Eine Form für eine Instrumententafel wird zunächst im Schnellmodus großflächig erfasst. Anschließend werden die Entformungsschrägen, die Führungen und die Kavitäten der Schieber mit der Einzellinie nachgescannt, ohne die Form für einen stationären Aufbau ausbauen zu müssen.

Die mitgelieferte Software ermöglicht es, Punktwolken aus mehreren Aufnahmepositionen direkt im Werkzeugbau zu alignieren und zu einem flächigen Netz zu verarbeiten.

Wo die Reflexion des polierten Stahls zu Datenlücken führt, helfen die wechselbaren Scanmodi und die integrierte Belichtungsanpassung, die Lücken im laufenden Scan zu schließen, anstatt auf zeitaufwändiges Mattieren angewiesen zu sein.

Vom Punktehaufen zur belastbaren Aussage: Qualitätsdaten schließen den Kreis

Sobald das gescannte Netz vorliegt, wird es mit dem CAD-Datensatz des Werkzeugs oder des Formteils verglichen. Die INSVISION-eigene Softwareplattform 3D INSVISION erledigt diesen Schritt, indem sie das Netz über Best-Fit-Algorithmen zum Referenzmodell ausrichtet und einen flächigen Soll-Ist-Vergleich erzeugt.

Die farbkodierte Abweichungsdarstellung macht sofort sichtbar, ob die Form an einer Ecke um 0,15 Millimeter nachgestellt werden muss oder ob der Verzug über die gesamte Fläche innerhalb der Toleranz von 0,1 Millimeter liegt.

Besonders nützlich ist die Funktion für die automatisierte Prüfberichterstellung: Ein PDF-Report mit Messwerten, Vergleichsbildern und Historie kann unmittelbar an die Qualitätssicherung oder den Kunden übergeben werden. Für die Rückverfolgbarkeit wird der Scan mit Zeitstempel und Chargennummer abgelegt.

So entsteht ein digitaler Zwilling des Werkzeugs, der bei der nächsten Wartung als Referenz dient – eine geschlossene Datenkette vom Einrichten der Form bis zur Serienfreigabe.

Von der Einzelform zum wiederholbaren Prüfprozess: Was zählt, wenn die Lösung laufen muss

Die Messung einer einzelnen Form ist eine Demonstration; die Einbindung in den Werkzeugbaualltag ist der Nutzen. Wenn ein Betrieb mehrere Formen pro Woche prüft, wird die Geschwindigkeit des Scanners zum entscheidenden Faktor.

Der AlphaScan erfasst selbst komplexe Geometrien in wenigen Minuten, ohne aufwändiges Einrichten und ohne externe Referenzmarken. Die IP-Schutzklasse des Geräts und die Unempfindlichkeit gegenüber Umgebungslicht und Temperaturschwankungen erlauben den Einsatz direkt in der laufenden Produktion.

Für diejenigen, die eine vollständig automatisierte Lösung suchen, bietet INSVISION mit dem AlphaAutoScan-400-400-400 eine automatisierte Zelle, die innerhalb von drei Minuten eine komplette Datenaufnahme eines Werkzeugeinsatzes liefert.

Im manuellen wie im automatisierten Fall ist die Nachbearbeitung der Messdaten der Punkt, an dem sich die Prozessfähigkeit zeigt. Wer die Software so einstellt, dass die Auswertung über Templates läuft, erhält reproduzierbare Ergebnisse, ohne dass ein Spezialist jedes Mal neu einrichten muss.

Genau dieser Schritt vom manuellen Können zum standardisierten Prüfablauf senkt die Schwelle, ab der sich 3D-Scannen in der Automobilformenfertigung nicht mehr als Projekt, sondern als tägliches Werkzeug etabliert.